
11.02.26 –
Die Zahl der E-Ladestationen in Baden-Württemberg ist stark gewachsen. Nun rückt ein anderes Thema kritisch in den Blick.
Ein Artikel von Theo Westermann
In Stuttgart sind E-Ladestationen weiter verbreitet als in vielen anderen Städten. In der Debatte um die E-Mobilität und die weiter anhaltende Zurückhaltung der Autokäufer bei ihrer Kaufentscheidung geht es oft um die Frage der Ladeinfrastruktur. Die Zahl der Ladesäulen ist in Baden-Württemberg stark gewachsen, das Netz ist dicht. Die Nutzung ist aber relativ gering. Die Aufmerksamkeit konzentriert sich nun auf andere Problematiken. Die wichtigsten Fragen und Antworten.
Wie viele Ladepunkte gibt es aktuell?
Zum Stichtag 1. Dezember 2025 standen in Baden-Württemberg 32.329 öffentlich zugängliche Ladepunkte zur Verfügung – davon 26.752 Normalladepunkte und 5.577 Schnellladepunkte. Zum Stichtag 1. Oktober 2025 waren es in Baden-Württemberg noch 30.543 öffentlich zugängliche Ladepunkte – ein Wachstum also von rund zehn Prozent in zwei Monaten.
Wie ist der aktuelle Bestand an E-Fahrzeugen in Baden-Württemberg?
Die Elektromobilität wächst laut Verkehrsministerium „dynamisch“: Zum 1. Oktober 2025 waren in Baden-Württemberg bereits 484.427 elektrisch betriebene Pkw zugelassen, darunter 307.763 batterieelektrische Fahrzeuge und 176.664 Plug-in-Hybride. Die Landesregierung sieht Baden-Württemberg dabei bundesweit an der Spitze, übrigens auch bei den Ladepunkten: Im Vergleich der Bundesländer weise das Land die meisten Ladepunkte pro Einwohner auf, heißt es in der Antwort des Stuttgarter Verkehrsministeriums an die nachfragende Grüne-Landtagsfraktion.
Welche Kreise sind besonders weit vorn, welche hinten?
Der Stadtkreis Stuttgart weist nach diesen Zahlen die höchste absolute Anzahl an öffentlich zugänglichen Ladepunkten auf, gefolgt vom Kreis Böblingen, dem Ortenaukreis sowie den Landkreisen Esslingen und Heilbronn. Bezogen auf die Anzahl der Einwohner haben die Stadtkreise Heilbronn, Stuttgart und Ulm sowie der Hohenlohekreis und der Landkreis Böblingen die höchste Verfügbarkeit an öffentlich zugänglichen Ladepunkten. Es gibt aber Auffälligkeiten: Die Nutzung der Ladeinfrastruktur konzentriert sich zu einem wesentlichen Teil auf Stuttgart, den Rhein-Neckar-Kreis sowie die Landkreise Ludwigsburg, Böblingen und Esslingen. Von Juli 2024 bis September 2025 entfallen rund ein Drittel aller Ladevorgänge im Land demnach auf diese fünf Stadt- und Landkreise.
In welchem Umfang werden die öffentlich zugänglichen Säulen genutzt?
In der Tat ist die Nutzungsfrequenz eher bescheiden, deshalb ist die Forderung nach dem Zubau ständig weiterer Ladepunkte etwas in den Hintergrund getreten. Die durchschnittliche Auslastung liegt nach den Zahlen des Verkehrsministeriums zwischen vier und elf Prozent, im Mittel bei sieben Prozent. Daraus ergibt sich eine „hohe Verfügbarkeit“ für die potenziellen Nutzer. Deshalb sagt auch das Verkehrsministerium klar: Die durchschnittliche Auslastung lasse eine hohe Zahl weiterer Nutzungen zu. Und weiter: Der Aufbau der Ladeinfrastruktur müsse dem weiteren Wachstum der elektrischen Fahrzeugflotte folgen. Der Grünen-Verkehrsexperte und Landtagsabgeordnete Thomas Hentschel bewertet dies gegenüber unserer Redaktion so: „Die Zahlen zeigen: In Baden-Württemberg gibt es genug öffentliche Lademöglichkeiten, die auch frei sind. Die Herausforderung ist nicht die Zahl der Ladepunkte, sondern ihre Qualität: Hohe Roaming-Kosten und defekte Ladesäulen dürfen nicht zum Bremsklotz für die Elektromobilität werden. Das schreckt Kundinnen und Kunden ab und schadet der Branche.“
Die Preisgestaltung an den Ladesäulen steht generell stark in der Kritik. Worum geht es dabei?
Generell sind die Ladepreise in Deutschland relativ hoch, unter 50 Cent pro Kilowattstunde kommt der E-Autofahrer laut ADAC nur sehr selten unterwegs an Strom. Erst Ende 2025 kritisierte der ADAC unter anderem, dass das spontane Laden ohne festen Vertrag extrem teuer, oft bis zu 62 Prozent teurer als Laden mit einem Anbietervertrag sei. Teilweise wurden Aufschläge von bis zu 1000 Prozent beim Roaming festgestellt. Dadurch würden E-Autofahrer laut ADAC regelrecht in langfristige Vertragsmodelle gedrängt. Nach dieser Erhebung des Automobilclubs war die Differenz beim Marktführer EnBW am größten: Die Kilowattstunde kostete beim Ad-hoc-Laden ohne vertragliche Bindung 87 Cent, mit vertraglicher Bindung nur 59 Cent/kWh. Verglichen hatte der ADAC nur Ladetarife ohne monatliche Grundgebühr. Beklagt wird vom Automobilclub auch, dass die Ladekosten weiterhin zum Teil intransparent seien: Wie teuer der Ladestrom sei, erfahre der E-Autofahrer oft erst auf seiner Rechnung, anstelle wie beim konventionellen Tanken an der Zapfsäule.
Steht aktuell genug Strom an den Ladesäulen zur Verfügung?
Ja. Auf Basis des Bestands an elektrisch betriebenen Pkw in Baden-Württemberg zum Stichtag 1. Oktober 2025 ergibt sich gemäß den einschlägigen Vorgaben ein rechnerischer Bedarf von 541.423 kW. Zum gleichen Zeitpunkt stand in Baden-Württemberg eine verfügbare Ladeleistung von insgesamt 1.032.781 kW zur Verfügung.
Die meisten Fahrer laden privat
Private Ladevorgänge spielen bisher eine zentrale Rolle. Auf diese Art werden laut Verkehrsministerium 80 Prozent der Ladevorgänge vorgenommen. Für den Hochlauf der Elektromobilität vor Ort gilt den Fachleuten die Verfügbarkeit von privater Ladeinfrastruktur, schon wegen der niedrigeren Preise für privat geladenen Strom, als unersetzlich. Eine genaue Abfrage dazu ist gemäß dem neuen Landesmobilitätsgesetz nun möglich und in Vorbereitung, so das Verkehrsministerium.
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